Generationswechsel

Nachfolge im Unternehmen

Wirtschaftstalk BONN
22.05.2024 - 19:00 Uhr, Kammermusiksaal Beethoven-Haus Bonn

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Dr. Guido Plassmeier, Cathrin Dauven, Christian David (Moderator), Felix Kuhne, Peter Kuhne

Diskussion zum Thema

"Wer übernimmt das Steuer? Wann ist es an der Zeit, sich mit dieser Frage im eigenen Unternehmen zu beschäftigen?", eröffnete Christian David die Diskussion. Cathrin Dauven und Dr. Guido Plassmeier waren sich einig, dass es dafür eigentlich nie zu früh ist. Denn Nachfolgeprozesse erfordern Zeit - erfahrungsgemäß mehr, als man dafür einplant.

Familiäre Lösungen sind gerade im Mittelstand sehr oft Plan A. Wenn es aber unter den Familienangehörigen keine geeignete Person gibt, muss eine andere Lösung gefunden werden.

Peter Kuhne stellt sich dieses Problem nicht. Denn bei den Kuhnes ist die Frage der Nachfolge seit vielen Jahren geklärt. Zwei der drei Kinder wollten beruflich andere Interessen verfolgen, Sohn Felix hingegen gerne das Unternehmen später einmal übernehmen - eine ideale, keineswegs selbstverständliche Situation. Die könnte ganz anders aussehen, wenn beispielsweise alle drei Kinder Interesse an einer Übernahme gehabt hätten oder auch gar keines. Im ersten Fall müssten klare Einigungen bzgl. "Wer macht was" getroffen, im zweiten Fall Nachfolger außerhalb der Familie gefunden werden.

Management-Buy-out ist dann eine Option: Es gibt häufig interessierte Mitarbeiter, die aber möglicherweise den geforderten Kaufpreis nicht so ohne weiteres aufbringen können. Die Alternative ist das Anstreben eines komplett externen Nachfolgeprozesses, bei dem wiederum das Zeitkriterium eine tragende Rolle spielt.

Die Frage, ob eine interne oder eine externe Unternehmensnachfolge komplizierter ist, lässt sich nicht allgemein beantworten, sondern hängt von den konkreten Umständen ab. Hier ist es ratsam, die vielfältig vorhandenen Beratungs- und Unterstützungsangebote von Externen in Anspruch zu nehmen. Generell gibt es aber - das lässt sich als Fazit aus der Gesprächsrunde ziehen - zwei Faktoren, die in jedem Fall von ganz entscheidender Bedeutung sind: Offenheit und Transparenz.

Offenheit sowohl sich selbst als auch dem anderen gegenüber - in Bezug auf Bedürfnisse und Ziele - und Offenheit sowie Transparenz in der Kommunikation mit sämtlichen vom Übergabeprozess Betroffenen. Alle sollten wissen, worauf sie sich einlassen, um individuell richtige Entscheidungen treffen zu können. Dazu zählen neben den Familienangehörigen auch Kunden, Zulieferer und Belegschaft des Unternehmens. Es ist wichtig sie rechtzeitig in die Nachfolge einzubinden, um sie nicht in unklaren Übernahmeprozessen zu verlieren und eine erfolgreiche Unternehmensübergabe zu realisieren.

Einführung in das Thema

Bis zum Ende des Jahres 2026 streben rund 560.000 der insgesamt 3,8 Mio. mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge an. Die Frage ist, ob sie damit Erfolg haben werden. Denn es werden sehr viel mehr Nachfolgende gesucht, als dafür zur Verfügung stehen - ein Problem, das sich in naher Zukunft noch verschärfen wird.

Gegenwärtig sind bereits 31 % der Unternehmerschaft 60 Jahre oder älter, fast drei Viertel mindestens 50 Jahre alt. Das Durchschnittsalter einer Inhaberin bzw. eines Inhabers im Mittelstand lag 2023 bei 54 Jahren; 20 Jahre zuvor noch bei 45 Jahren.

Wenn sich die Babyboomer-Generation im Lauf der kommenden 10 bis 15 Jahre aus dem Erwerbsleben verabschiedet, werden absehbar viele Unternehmen nicht weitergeführt werden können, weil schlicht der Nachwuchs fehlt: Zum einen verkleinert die demographische Entwicklung die Anzahl der potentiell Selbstständigen. Zum anderen kommt es häufiger vor, dass Unternehmerinnen und Unternehmer früher in den Ruhestand gehen möchten und Kinder, statt den Familienbetrieb zu übernehmen, eigene Wege gehen. Hinzu kommt noch ein seit Jahren insgesamt geringes Gründungsinteresse.

Verglichen mit einer Existenzgründung bietet die Übernahme eines Unternehmens möglicherweise aber erhebliche Vorteile. Mit der Übernahme wird auch der Kundenstamm übernommen. Das Know-how von Mitarbeitern, die sich in der Branche auskennen, ist ein weiterer Pluspunkt. Zukünftige Geschäfte können besser abgeschätzt werden. Das wiederum erleichtert die Finanzierung.

Welche Möglichkeiten und Herausforderungen der Generationswechsel in Unternehmen mit sich bringt, ist Thema des Wirtschaftstalk BONN am 22. Mai.

#WTNRW #WTB60

Die Diskussionsrunde:

Peter Kuhne

Peter Kuhne
Geschäftsführer der KUHNE Anlagenbau GmbH & Vizepräsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Felix Kuhne

Felix Kuhne
Sales / Business Development & Prokurist der KUHNE Group

Dr. Guido Plassmeier

Dr. Guido Plassmeier
Partner von SCHMITZ KNOTH RECHTSANWÄLTE & Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer Köln

Cathrin Dauven

Cathrin Dauven
Generalbevollmächtigte der Sparkasse KölnBonn

Christian David

Moderation:
Christian David
Moderator, Reporter und Medientrainer


Ideeller Träger
Sparkasse KölnBonn Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
Unterstützer
Stadtwerke Bonn Energie und Wasser Rhein-Sieg-Kreis