NRW@Amerika

US-Wahl und ihre wirtschaftlichen Folgen

Wirtschaftstalk KÖLN
29.01.2025 - 19:00 Uhr, KOMED im MediaPark

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Michael Kordus, Dr. Martin Vorsmann, Christian David (Moderation), Dr. Thieß Petersen

Diskussion zum Thema

Beim 4. WTK wurde darüber diskutiert, wie sich Donald Trumps zweite Amtszeit als US-Präsident auf unsere Wirtschaft auswirken wird. Dass sie Auswirkungen haben wird, ist unstrittig. Denn die Verbindung zwischen deutscher und US-amerikanischer Wirtschaft ist groß.

In NRW gibt es, wie Michael Kordus von der landeseigenen Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft berichtete, 1.700 US-Unternehmen, die ca. 140.00 bis 150.000 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und etwa 6.000 NRW-Unternehmen mit ca. 968.000 Arbeitsplätzen in den USA. Makroökonom Dr. Thieß Petersen ergänzte, dass die Abhängigkeit Deutschlands von den USA wesentlich größer ist als umgekehrt. Rund 7% unserer industriellen Produktion werden in den USA verkauft, andersherum sind es 0,8%. Dr. Martin Vorsmann zeigte sich überzeugt, dass Europa auch zukünftig ein wichtiger Markt für Amerika bleiben wird.

Gerade NRW hat als Wirtschaftsstandort besonders hohe Attraktivität – sowohl als Absatzmarkt als auch als Produktionsstandort. Das Bundesland stellt mit seinen 19 Millionen Einwohnern eine breite Consumer-Basis, ist mit etwa 70 Universitäten und Instituten spannend im Hinblick auf das Fachkräftethema und unter logistischen Gesichtspunkten aufgrund seiner geographischen Lage und bestehenden Infrastruktur ein wichtiger Knotenpunkt für Geschäfte auf dem deutschen wie auch dem europäischen Markt. Es gibt also gute Argumente für ausländische Unternehmen, in unserer Region tätig zu werden. Die Argumente für deutsche Unternehmen, sich in den USA anzusiedeln, sind hinreichend bekannt: niedrigere Steuern, Energiepreise und Bürokratieaufwand. Und all das will Trump noch weiter senken, um die eigene Wirtschaft zu stärken und zusätzliche Schutzzölle einführen.

Was passiert dann? Die Runde war sich einig: Irgendwann werde die Einsicht kommen, dass derartige Maßnahmen der geschützten Branche zwar kurzfristig helfen, dafür aber anderweitig großer Schaden angerichtet wird. Eine Erfahrung, die die USA mit dem Beispiel, das Dr. Petersen anführte, bereits gemacht hat: Die Zölle, die die Vereinigten Staaten im Jahr 2000 auf Stahl erhoben, führten zwar zu dem beabsichtigten Anstieg des Stahlpreises aber auch dazu, dass alle Unternehmen, die Stahl verbrauchen, höhere Produktionskosten hatten, was wiederum die Verbraucher:innen bezahlen mussten. Das Ergebnis: Nach einem Jahr hatten die USA über alle Branchen hinweg insgesamt 200.000 Arbeitsplätze verloren – die Stahlbranche, die geschützt werden sollte, hatte nur 180.000.

Die entscheidende Frage, die sich in dem Zusammenhang stelle, so Dr. Vorsmann, sei wie schnell die jetzige US-Administration erkenne, dass sie sich ins eigene Fleisch schneide und wie viel Schaden bis zu diesem Zeitpunkt angerichtet werden könne. Michael Kordus betonte, dass für den hiesigen Mittelstand in jedem Fall ein Schaden entstehen würde, denn erhöhte Zölle führten zwangsläufig zu Geschäftsausfällen. Der Mittelstand täte deshalb gut daran, sich neue Strategien zu überlegen, neue Absatzmärkte zu erschließen.

Ein Rat, der sich auch für die Ausrichtung deutscher Politik ergibt – sowohl in Bezug auf die Wirtschaft wie auf die Sicherheit. Hier müssen ebenfalls neue Wege eingeschlagen werden. In beiden Bereichen spielt der Zusammenhalt Europas eine entscheidende Rolle. Die Ankündigung Trumps, bisherige Hilfsleistungen drastisch zu reduzieren, sollte ernstgenommen werden. Christian David stellte die Frage, ob die unklare Sicherheitslage eine größere Gefahr darstelle als die Einfuhrzölle. Eine Frage, die klar mit Ja beantwortet wurde. Denn während das eine ein primär wirtschaftliches Thema sei, das existenzielle Dimensionen annehmen könne, sei das andere von vornherein ein grundsätzlich existenzielles Thema.

Vielleicht sind die Vorhaben von Donald Trump ein Weckruf für Europa, der Anstoß dafür, gemeinsam geschlossener aufzutreten – auch handelspolitisch.

Einführung in das Thema

Wie wird sich Donald Trumps zweite Amtszeit als US-Präsident auf unsere Wirtschaft auswirken?

Eine Woche nachdem das Wahlergebnis feststand, fragte das ifo Institut 180 VWL-Professorinnen und VWL-Professoren welche Folgen sie für das Wirtschaftswachstum in Deutschland erwarten. Das Ergebnis: 89% rechnen mit negativen Wachstumseffekten. Und das aus gutem Grund. Die angekündigten Importzölle würden unsere exportorientierte Wirtschaft besonders treffen. Denn die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Exportmarkt für hiesige Unternehmen; insbesondere für Autos, Maschinen und Pharmaprodukte.

Macht Trump seine, im und nach dem Wahlkampf verkündeten, Pläne wahr, sind erhebliche Abwanderungen von deutschen Unternehmen in die USA zu befürchten; nicht nur der Autoindustrie und deren Zulieferern. Niedrigere Steuern, Klimaschutzauflagen und Energiepreise sorgen dafür, dass Amerika für viele Unternehmen ein attraktiver Standort ist.

Für Deutschland kann dies Auswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen haben. Als erstes drängt sich der Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen auf; als nächstes ein geringerer Absatz von Produkten. Für kleine Betriebe der unterschiedlichsten Branchen, die bislang ihre Aufträge von dann abwandernden Unternehmen erhielten, kann es einen Komplettabsturz in der Auftragslage bedeuten. Auch für Forschung & Entwicklung sind Folgen denkbar: Attraktive Standorte ziehen Investoren an, vorhandenes Kapital schafft Freiräume und Möglichkeiten, diese sind ein guter Nährboden für Innovationen – und damit interessant für Tätige im Bereich F&E.

So viel ist klar: Rosig sind die Aussichten nicht. Die in den USA lehrende Ökonomin Ulrike Malmendier, auch Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, empfiehlt den Europäern keine protektionistischen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sondern stattdessen die Vorteile des Binnenmarktes zu nutzen. Deutschland müsse mehr in Infrastruktur, Sicherheit und Bildung investieren und für ein Absenken der Energie- und Arbeitskosten sorgen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Bleibt die Frage, die uns schon länger beschäftigt, woher das Geld dafür kommen soll oder kommen kann. Mit Trumps Ankündigungen, die Ukraine-Unterstützung zu kürzen oder den Verbleib Amerikas in der NATO von der Zahlungshöhe und -moral der Bündnispartner abhängig zu machen - Deutschland also dafür zukünftig unstrittig noch zusätzliches Geld wird aufbringen müssen - wird es noch dringlicher eine verbindliche Antwort zu finden.

#WTNRW #WTK4

Die Diskussionsrunde:

Dr. Martin Vorsmann

Dr. Martin Vorsmann
Managing Partner der CMS Hasche Sigle Rechtsanwälte & Vorstandsmitglied des AmerikaHaus NRW

Michael Kordus

Michael Kordus
General Manager für Westeuropa und Amerikas der NRW.Global Business - Trade & Investment Agency

Dr. Thieß Petersen

Dr. Thieß Petersen
Senior Advisor Makroökonomie der Bertelsmann Stiftung & Lehrbeauftragter der Europa-Universität Viadrina

Christian David

Moderation:
Christian David
Moderator, Reporter und Medientrainer


Ideeller Träger
Sparkasse KölnBonn