Höchste Eisenbahn

Regionale Anbindung per Schiene

Wirtschaftstalk RHEIN-SIEG
01.10.2025 - 19:00 Uhr, Stadtmuseum Siegburg

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Diskussion zum Thema

"Höchste Eisenbahn - Regionale Anbindung per Schiene" war das Thema des 4. Wirtschaftstalk RHEIN-SIEG. Und die Zeit drängt in der Tat:

"Wir sind die Generation Wiederaufbau", fasst Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer der VRS GmbH & go.Rheinland GmbH, die verkehrspolitische Lage zusammen. Auf dem Podium des 4. Wirtschaftstalk Rhein-Sieg waren sich alle Beteiligten einig, dass in Sachen in Sachen Infrastruktur die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte schnellstmöglich aufgeholt werden müssen. Und das ist halt "ganz viel auf einmal und alles gleichzeitig", wie Prof. Dr. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der KSK Köln & Professor der Hochschule Fresenius, lapidar feststellt. Schaffen wir das? Wenn ja, wie? "Der politische Wille muss da sein", fügt Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg hinzu.

Denn wahr ist auch: Wir haben fünf harte Jahre vor uns, wenn 2026 die rechte und 2028 die linke Rheinschiene wegen Sanierung gesperrt werden und danach noch die Kölner Brücken folgen. Nur führt daran kein Weg vorbei. Hubertus Hille berichtet, dass die Lage bereits jetzt hochgradig wirtschaftsschädigend sei und "ein großer Versicherer" - gemeint ist wohl die Zurich - seinen Hauptsitz in Bonn abgebrochen habe, weil Bonn immer schlechter erreichbar ist. Die IHK habe vorgeschlagen, doch bei der Sanierungen gleich Erweiterungsarbeiten mit ins Auge zu fassen, damit nicht zweimal Sperrungen notwendig werden. Doch Norbert Reinkober winkt ab - das sei planungstechnisch nicht drin. Er berichtet aber auch von Beispielen gut geplanter Sanierungsfälle. "Wenn alle zusammen arbeiten, kann es schnell gehen!" Selbst in einem Gebiet, in dem bedrohte Arten leben, hätte die Bahn durch frühe Abstimmungsprozesse erfolgreich sanieren können: "Dann wird eben vor Kopf gearbeitet, keine erdverdichtenden Geräte eingesetzt usw. Es geht!", so Reinkober.

Doch es ist nicht nur der Zustand des Verkehrsnetzes, der Probleme bereitet. Hubertus Hille bemängelt, dass auch der Betrieb der Bahn die Region immer mehr ins Abseits dränge, mit immer mehr Umstiegen in Köln und durchrauschenden ICEs in Siegburg. "Wir haben in der Region die schlechteste Anbindung per ICE seit der Einführung des ICE! - Aber da beißen wir auf Granit bei der Bahn." Spätestens hier zeigt sich, dass alle verkehrstechnischen Entscheidungen immer auch verkehrspolitische Entscheidungen sind. Gerade daher fordert Hille "Mobilitätspolitik aus einem Guß", eine ganzheiltiche Betrachtung der Probleme und frühzeitige Einbindung aller Parteien.

"Kommunikation" ist ein Stichwort, das immer wieder fällt. "Wenn man besser informiert ist, kann man lernen, damit umzugehen", so Carsten Wesselmann. Umso größer ist das Unverständnis, wenn plötzlich lange geplante Verkehrsprojekte wie die Sanierung des Tausendfüßlers plötzlich wieder zurückgestellt werden. Dabei sollte durch das 500-Milliarden-Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur doch jetzt Geld zur Verfügung stehen, oder? "Warum finden wir alle die Schweiz so toll?" wirft Reinkober ins Publikum. "Die investieren 6 Mal so viel wie wir in ihre Netze!" Doch Finanz-Fachmann Wesselmann bezweifelt, dass das bereitgestellte Sondervermögen ausreichen wird. "Die Gefahr besteht, dass die Gelder nicht investiv, sondern konsumptiv genutzt werden", sprich: um vorhandene Löcher zu stopfen, nicht Sanierung und Ausbau voranzutreiben - mal ganz abgesehen davon, dass 200 von den 500 Millionen bereits für Klimaprojekte und die Länder verplant sind.

Was können wir also regional tun? Kurzfristig ist klar: Wir müssen da durch, und eine vernünftige Planung, die berücksichtigt, dass bei Sperrung der Schienenwege temporär mehr Platz für Individualverkehr gebraucht werden wird, wäre da sicher hilfreich. Doch im Grunde sind alle Podiumsgäste optimistisch: "Der Druck ist hoch genug, da werden wir Chancen erkennen und umsetzen", ist Wesselmann überzeugt. Was bleibt uns anderes übrig? Denn schließlich sind wir "die Generation Wiederaufbau". Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Einführung in das Thema

Die Metropolregion Rheinland ist ein international bedeutsamer Wirtschaftsstandort, der durch starke Ziel-, Quell- und Transitströme geprägt ist. Die Voraussetzungen sind gut: der Rhein, der nahe Flughafen, die Häfen in Bonn, Köln und Niederkassel, der Containerumschlagbahnhof Köln-Eifeltor, ein gutes Autobahnnetz mit kurzen Entfernungen ins Ruhrgebiet, zu den Seehäfen und ins Rhein-Main-Gebiet sowie weit darüber hinaus.

Um diese guten Bedingungen nicht zu verspielen, muss die Verkehrsinfrastruktur in Stand gehalten und ausgebaut werden. Das gilt für die Straßen und Brücken und auch für das Schienennetz.

Wegen der enormen Verkehrsleistungen, die im Transportsektor erbracht werden, und weil der Schienenverkehr ein zentraler Bestandteil eines umweltfreundlichen und nachhaltigen Güterverkehrssystems ist, hat sich die Bundesregierung in einem ‚Masterplan Schienenverkehr‘ das Ziel gesetzt, den Anteil der Schiene am Güterverkehr bis 2030 auf mindestens 25 Prozent zu steigern und die umfassende und konsequente Modernisierung des Schienengüterverkehrs voranzutreiben. Zur Einordnung: Für das Jahr 2023 nennt das Statistische Bundesamt einen Anteil von 19,9 Prozent. Im Personenverkehr soll die Zahl der Fahrgäste zugleich bis 2030 verdoppelt werden.

Umso dringender ist, dass es beim Ausbau der Infrastruktur zügig vorangeht. Denn unser regionales Schienennetz, das sowohl von Personen- wie Güterzügen genutzt wird, ist bereits jetzt überlastet. Schon kleinste Unregelmäßigkeiten im Fahrplan ziehen zahlreiche Verzögerungen nach sich – davon können Berufspendler, die mit der Bahn unterwegs sind, ein Lied singen.

Die Logistikregion Rheinland e.V. hat 2023 gemeinsam mit der IHK-Initiative Rheinland eine Studie veröffentlicht, in der die Bedeutung des Schienenverkehrs herausgearbeitet wird und es Handlungsempfehlungen sowohl für Akteure aus dem Bereich des Schienengüterverkehrs, regionale Zusammenschlüsse und die Politik auf Kommunal- sowie Landesebene gibt. Das Fazit:

„Um den anvisierten Modal Split des Schienengüterverkehrs von 25 % an der Verkehrsleistung in tkm zu erreichen, braucht es auf unterschiedlichen Ebenen den Willen und Mut zur Veränderung: Verkehrspolitische Rahmenbedingungen müssen geändert werden, um einen fairen Wettbewerb der Verkehrsträger zu ermöglichen, das gestartete umfassende und beispiellose Infrastrukturprogramm zur Aufrechterhaltung bzw. Steigerung der Verkehrsleistung und Umsetzung des Deutschlandtaktes muss zügig umgesetzt werden, zudem sind unternehmensseitig teils gemeinsame Bestrebungen ratsam, um Personalbedarfe auch in Zukunft zu sichern und die Digitalisierung zur Effizienzsteigerung zu nutzen.“

#WTNRW #WTRS4

Die Diskussionsrunde:

Dr. Norbert Reinkober

Dr. Norbert Reinkober
Geschäftsführer der VRS GmbH & go.Rheinland GmbH

Prof. Dr. Carsten Wesselmann

Prof. Dr. Carsten Wesselmann
Chefvolkswirt der KSK Köln & Professor der Hochschule Fresenius

Dr. Hubertus Hille

Dr. Hubertus Hille
Hauptgeschäftsführer der IHK Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg

Nathalie Bergdoll

Moderation:
Nathalie Bergdoll
Moderatorin, Schauspielerin und Journalistin


Ideeller Träger
Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
Unterstützer
Rhein-Sieg-Kreis