Female Finance

Finanzielle Unabhängigkeit von Frauen

Wirtschaftstalk KÖLN
04.03.2026 - 19:00 Uhr, KOMED im MediaPark

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Angela Langen, Dr. Dagmar Weßler-Poßberg, Nathalie Bergdoll (Moderation), Carlotta Altringer, Anissa Brinkhoff

Diskussion zum Thema

„Was bedeutet Female Finance konkret? Sind das Finanzprodukte mit einem rosa Schleifchen? Ist es ein Trendthema? Oder ist es ein Weckruf für alle Frauen?“, lautete Nathalie Bergdolls Einstiegsfrage in das Thema.

Angela Langen betrachtet es in erster Linie als Weckruf. Und zwar nicht nur für Frauen, sondern für die Gesellschaft insgesamt: „In Beratungsgesprächen merken wir, dass es einen Unterschied macht, ob Frauen allein oder gemeinsam mit ihrem Partner kommen.“ Kommen sie allein, zeigen sie, dass sie gut vorbereitet sind; ist der Partner dabei, übernimmt er eher den aktiven Part. Die vermutliche Ursache dafür liegt insbesondere in tradierten Rollenbildern, die wohl auch heute noch wirken. Denn in Gesprächen mit jungen Paaren zeigt sich kein grundsätzlicher Unterschied.

Zwar verwalten Frauen den größten Teil des Haushaltseinkommens weltweit – treffen also Finanzentscheidungen, an welchen Stellen beispielsweise gespart wird – geht es aber um Themen wie Altersvorsorge, Versicherungen oder Investieren, übernimmt der Mann. Dabei greifen sowohl individuelle Aspekte als auch gesellschaftliche (und strukturelle): „Zum Beispiel“, so führte Anissa Brinkhoff aus, „die Frage, wie Frauen zum Thema Geld sozialisiert werden. Studien zeigen, dass auch heute noch Mädchen durchschnittlich weniger Taschengeld bekommen als Jungen.“

Um finanzielle Gleichberechtigung zu erreichen, wäre es wichtig, schon in frühem Lebensalter mit finanzieller Bildung anzusetzen: „Schon in der Schule könnte es einen Kurs geben, in dem über Grundlegendes zum Thema informiert würde.“, meinte Carlotta Altringer. Anissa Brinkhoff plädierte dafür, dass es spezifische Beratungs- und Bildungsangebote je nach Lebensphase geben müsste. Die Informationen, die für Kinder und Jugendliche im Schulalter interessant oder notwendig sind, seien andere als diejenigen, die gebraucht werden, wenn Auszubildende oder Berufsanfänger:innen das erste Mal Geld verdienen, Menschen heiraten oder Eltern werden.

„Jungen Menschen klar zu machen, wie lang das Leben ist und wie sich die Einkommenssituation darauf auswirkt, wie man im Alter Leben kann, ist extrem wichtig und deshalb gehört auch ein Thema wie Altersvorsorge durchaus in die Schule.“, ergänzte Dr. Dagmar Weßler-Poßberg. „Was bedeutet es eigentlich, wenn ich 10 Jahre meines Lebens in Teilzeit verbringe, für meine Altersrente? Finanzielle Bildung muss breiter gedacht werden, über Anlagemöglichkeiten hinausgehen.“

Eine Idee in der Gesprächsrunde war, die Berufsvorbereitung, die das Arbeitsamt in die Schulen trägt, die Berufspraktika oder Girls- and Boys-Days um finanzielle Bildungsangebote zu erweitern.

Die finanzielle Ungleichheit zwischen Männern und Frauen hat viel mit den herrschenden Erwerbsstrukturen zu tun. Denn die Erwerbsquote von Frauen (78%) und Männern (81%) ist annähernd gleich aber die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit. Ein Großteil dieser Frauen würde gerne mehr arbeiten, sieht dazu wegen mangelnder Kinderbetreuung oder nicht funktionierender partnerschaftlicher Arbeitsteilung in der Familie aber keine Möglichkeit.

Hier wirkt sich aus, dass der Stundenlohn in Teilzeit niedriger ist als der für dieselbe Tätigkeit in Vollzeit und die Tatsache, dass Frauen bei gleicher Stundenzahl und gleicher Tätigkeit zu 6% immer noch weniger Bezahlung erhalten als Männer. „Und das funktioniert“, so Dr. Dagmar Weßler-Poßberg, „weil wir über Geld nicht reden; auch in den Unternehmen nicht.“

Dabei können Unternehmen viel zu einem Umdenken und grundlegenden Änderungen beitragen, wenn sie alternative Arbeitsmodelle wie Job-Sharing, gerade auch in Führungspositionen ermöglichen und unterstützen.

Die Diskutantinnen waren sich einig, dass es noch ein langer Weg bis zur finanziellen Gleichstellung beider Geschlechter ist und von entscheidender Bedeutung, dass das Thema Finanzen mit all seinen Facetten enttabuisiert und stattdessen offen darüber gesprochen wird. Umdenken, neue Rollenmodelle, förderliche Rahmenbedingen sind Voraussetzung dafür, dass das Potential, das Mehrarbeit von Frauen auch volkswirtschaftlich bedeuten würde, ausgeschöpft wird.

Einführung in das Thema

Noch immer fühlen sich viele Frauen in Deutschland unsicher, wenn es um ihre eigenen Finanzen geht – lediglich jede vierte Frau schätzt ihr Finanzwissen als gut ein, bei Männern ist es fast jeder Zweite. Diese Unsicherheit ist problematisch, denn finanzielle Selbstbestimmung ist ein zentraler Schritt hin zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Dabei liegen die Gründe für diese Zurückhaltung oft in traditionellen Rollenbildern und mangelndem Selbstvertrauen: In Beziehungen kümmert sich meist der Mann um die Altersvorsorge, viele Frauen überlassen wichtige Finanzentscheidungen ihrem Partner. Im Falle einer Trennung oder nach dem Tod des Partners kann das dramatische Folgen haben – häufig reicht die eigene Rente dann nicht zum Leben aus.

Auch der berühmte Gender Pay Gap spielt eine Rolle: Frauen verdienen im Schnitt etwa 16 Prozent weniger als Männer. Über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg bedeutet das erhebliche Einbußen beim Gehalt, weniger finanzielle Ressourcen, die sie investieren können und in der Folge auch eine niedrigere Rente. Die sogenannte Gender Pension Gap lag 2024 – in Bezug auf die eigenen Bruttoalterseinkünfte, also ohne Hinterbliebenenalterseinkünfte - bei 36,9 Prozent. Frauen ab 65 Jahren erhalten also im Mittel über ein Drittel weniger Rente als Männer. Entsprechend sind sie häufiger von Altersarmut betroffen.

Gründe hierfür sind geringere Löhne, längere Karrierepausen sowie ein höherer Anteil an Teilzeitbeschäftigung. Denn Mütter nehmen in Deutschland weiterhin häufiger und länger Elternzeit, arbeiten öfter in Teilzeit, was sich negativ auf die Karriere und insbesondere die Altersvorsorge auswirkt. Häufig legen Frauen keinen Fokus auf ihre finanzielle Absicherung und priorisieren Familie und Kinder. Da sie aber im Durchschnitt länger leben als Männer und gleichzeitig weniger Rente beziehen, ist frühzeitige Finanzplanung und zusätzliche Altersvorsorge für Frauen besonders wichtig.

Beim Wirtschaftstalk KÖLN am 4. März wollen wir über die Ansätze reden, die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen zu unterstützen.

#WTNRW #WTK7

Die Diskussionsrunde:

Anissa Brinkhoff

Anissa Brinkhoff
Freie Finanz-Journalistin, Expertin für Female Finance & Finanzbildung

Dr. Dagmar Weßler-Poßberg

Dr. Dagmar Weßler-Poßberg
Direktorin Gesellschaftspolitik & Partnerin der Prognos AG

Carlotta Altringer

Carlotta Altringer
CEO & Co-Founder der VitrofluidiX GmbH

Angela Langen

Angela Langen
Bereichsleiterin Privatkunden der Sparkasse KölnBonn

Nathalie Bergdoll

Moderation:
Nathalie Bergdoll
Moderatorin, Schauspielerin und Journalistin


Ideeller Träger
Sparkasse KölnBonn